Das New Public Management ist eine Medaille mit zwei Seiten. Zum einen sind Reformen notwendig, da die Aufgaben des politisch-administrativen Systems neu ausgerichtet werden müssen. Zum anderen sind aber einige dieser Maßnahmen sehr kritisch zu betrachten. Insbesondere die Privatisierungs- und Liberalisierungsmaßnahmen im Bereich der öffentlichen Dienste sind sehr fragwürdig. Betrachtet man die Energieversorger oder auch die Deutsche Bahn AG kommt man zu dem Ergebnis, das die Privatisierung und Liberalisierung kaum etwas gebracht hat.
Die Energieversorger haben zum größten Teil regional eine Monopolstellung. Deshalb ist es ihnen möglich die Preise zu diktieren. Die Verbraucher haben kaum eine andere Wahl, als ihren Strom oder ihr Gas bei den großen Energieversorgern zu beziehen. Einige Verbraucher sind sogar bereits aus diesen Gründen vor Gericht gezogen. Dasselbe Bild zeigt sich in Bezug auf die Deutsche Bahn AG. Die Bahn hat mit der Liberalisierung ihre Preispolitik geändert, wobei sie ebenfalls ihre Preise erhöht hat. Auch die Streckenversorgung hat sich verschlechtert, da die Bahn aus Rentabilitätsgründen gewisse Strecken kaum oder gar nicht mehr befährt und anderswo sind die Züge überfüllt. Zudem will die Deutsche Bahn AG die Strecken, die bislang dem Staat gehören, dem eigenen Unternehmen einverleiben. Würde der Staat die Wasserversorgung privatisieren wäre ein ähnliches Szenario wohl wahrscheinlich, was aber mit den gleichen Nachteilen verbunden wäre wie in den anderen Sektoren. Zu bemängeln ist, dass diese Infrastrukturen mit den Steuergeldern bezahlt wurden und dem Gemeinwohl dienen sollten. Auf diese Art und Weise dienen sie weniger dem Gemeinwohl als vielmehr dem Kapitalismus.
Ein anderer wichtiger Aspekt im NPM ist, dass der Bürger zum Kunden wird. In der freien Wirtschaft werden die Kunden oft in A-, B- und C-Kunden eingeteilt. A steht dabei für die Kunden, die am meisten zum Unternehmensgewinn beitragen. Deshalb werden diese Kunden bevorzugt behandelt. Nachdem nun die Bürger ebenfalls als Kunden gesehen werden, stellt sich die Frage, wie lange es dauert bis es A-, B- und C-Bürger innerhalb der Gesellschaft gibt. Die Kluft zwischen arm und reich ist zwar größer geworden, doch was passiert wenn wir zusätzlich zu dieser Kluft die Bürger nach ihrem Wertbeitrag beurteilen und kategorisieren? Sind wir dann noch eine Gesellschaft die an das Gemeinwohl aller denkt anstand immer nur an Profit und Effizienz?
Zum Abschluss lässt sich sagen, dass die Reformen zwar notwendig sind, doch das Konzept des NPM muss vorsichtig behandelt werden. Es ist ein zweischneidiges Schwert und muss sehr sensibel eingesetzt werden. Andernfalls höhlt sich der Staat aus und verliert immer mehr an Kontrolle, wobei der Kapitalismus immer größeren Raum einnimmt und schließlich die rechtsstaatlichen Strukturen verdrängt.
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