Setzt man sich mit der Literatur des New Public Managements auseinander und richtet ein besonderes Augenmerk auf die Gründe der Notwendigkeit einer Verwaltungsreform, bekommt man den Eindruck als rührt die Finanzmisere des Staats aus einem kränkelnden Bürokratiemodell. Um den Problemen des Staats ein Ende zu setzen sollen radikale Reformen im Bereich der öffentlichen Dienste, insbesondere in den Verwaltungen, durchgesetzt werden, damit es überhaupt noch eine Rettung für den Staat gibt. Natürlich haben die Initiatoren des Reformprozesses für die Mängel in den öffentlichen Bereichen gleich ein Allheilmittel parat, damit die Rettung des Staates sofort in Angriff genommen werden kann.
Das Allheilmittel nennt sich ‘New Public Managements‘. Es scheint als ob alle Krankheiten des Staates mit dem Einsatz dieses Konzepts geheilt werden könnten. Doch es stellt sich die Frage ob es tatsächlich so ist, dass dieses Konzept jegliche Systemmängel beseitigt und uns gesellschaftlich in eine goldene Zukunft führt.
Als zur Zeit Webers das Bürokratiemodell eingeführt wurde, geschah es aus guten Gründen. Die staatliche Ordnung befand sich im Umbruch, die subjektive Willkür und patriarchalischen Herrschaftsstrukturen sollten aufgelöst werden. An deren Stelle sollten staatliche Strukturen treten, die eine legale Herrschaft unterstützen und gleichzeitig Gerechtigkeit und Gleichheit fördern, unabhängig vom Status der jeweiligen Person.
Gegenwärtig jedoch scheinen solche Strukturen wie das Bürokratiemodell nicht mehr zeitgemäß zu sein. Wir befinden uns in einer schnelllebigen Gesellschaft, die sehr komplex, unübersichtlich und vom Wertewandel geprägt ist. Dies äußert sich z. B. darin, das die Bürger nicht in eine Behörde gehen wollen, wo sie von einer Abteilung in die nächste geschickt werden, da die Komplexität von Zuständigkeiten selbst die Beamten überfordert. Ebenso wenig wollen sich die Bürger an Strukturen oder Vorgehensweisen halten, die wohlmöglich veraltet sind und nur aus Bequemlichkeit nicht geändert werden. Vielmehr ist der Bürger heutzutage viel selbstbewusster und ist sich darüber im Klaren, dass er das politisch-administrative System legitimiert. Genau aus diesem Grund erwartet er von den Angestellten des öffentlichen Sektors, dass man auf seine Belange und Wünsche eingeht.
Nicht nur die Bürger haben neue Anforderungen an den öffentlichen Sektor sondern ebenfalls der Staat. Die Ineffizienz, die starren Strukturen und Prozesse des administrativen Systems sorgen für Wettbewerbsnachteile des Staats im internationalen Vergleich. Die Globalisierung und der damit einhergehende Wettbewerbsdruck zwingen den Staat dazu seine Arbeit und seine Tätigkeiten zu überprüfen. Nur auf diesem Wege lassen sich neue und effizientere Wege des staatlichen Handelns generieren. Dazu jedoch muss der Staat in der Lage sein, seine Reformen in allen notwendigen Bereichen bzw. Ebenen durchzuführen.
Die rückläufige Wahlbeteiligung bei Bundestags- und Kommunalwahlen sind Signale des Volkes an die Politik. Die Bürger eines Staates drücken auf diese Art und Weise ihre Unzufriedenheit mit den politischen Maßnahmen aus. Bei den letzten Bundestagswahlen haben die Politiker es am deutlichsten zu spüren bekommen. Keine der beiden großen Parteien hat es geschafft eine Mehrheit im Bundestag für sich zu beanspruchen. Es liegt in den Händen der Politik ob sie etwas tut und was sie tut, den Rest entscheidet das Volk. Ob das Volk mit den Maßnahmen, die im Rahmen des NPM eingeleitet wurden, zufrieden ist wird sich noch zeigen.
Autor: braniac - Webseite