Archive for Dezember, 2007



New Public Management - Das Allheilmittel?

Mittwoch 26 Dezember 2007 @ 4:11 pm

Das New Public Management ist eine Medaille mit zwei Seiten. Zum einen sind Reformen notwendig, da die Aufgaben des politisch-administrativen Systems neu ausgerichtet werden müssen. Zum anderen sind aber einige dieser Maßnahmen sehr kritisch zu betrachten. Insbesondere die Privatisierungs- und Liberalisierungsmaßnahmen im Bereich der öffentlichen Dienste sind sehr fragwürdig. Betrachtet man die Energieversorger oder auch die Deutsche Bahn AG kommt man zu dem Ergebnis, das die Privatisierung und Liberalisierung kaum etwas gebracht hat.

Die Energieversorger haben zum größten Teil regional eine Monopolstellung. Deshalb ist es ihnen möglich die Preise zu diktieren. Die Verbraucher haben kaum eine andere Wahl, als ihren Strom oder ihr Gas bei den großen Energieversorgern zu beziehen. Einige Verbraucher sind sogar bereits aus diesen Gründen vor Gericht gezogen. Dasselbe Bild zeigt sich in Bezug auf die Deutsche Bahn AG. Die Bahn hat mit der Liberalisierung ihre Preispolitik geändert, wobei sie ebenfalls ihre Preise erhöht hat. Auch die Streckenversorgung hat sich verschlechtert, da die Bahn aus Rentabilitätsgründen gewisse Strecken kaum oder gar nicht mehr befährt und anderswo sind die Züge überfüllt. Zudem will die Deutsche Bahn AG die Strecken, die bislang dem Staat gehören, dem eigenen Unternehmen einverleiben. Würde der Staat die Wasserversorgung privatisieren wäre ein ähnliches Szenario wohl wahrscheinlich, was aber mit den gleichen Nachteilen verbunden wäre wie in den anderen Sektoren. Zu bemängeln ist, dass diese Infrastrukturen mit den Steuergeldern bezahlt wurden und dem Gemeinwohl dienen sollten. Auf diese Art und Weise dienen sie weniger dem Gemeinwohl als vielmehr dem Kapitalismus.

Ein anderer wichtiger Aspekt im NPM ist, dass der Bürger zum Kunden wird. In der freien Wirtschaft werden die Kunden oft in A-, B- und C-Kunden eingeteilt. A steht dabei für die Kunden, die am meisten zum Unternehmensgewinn beitragen. Deshalb werden diese Kunden bevorzugt behandelt. Nachdem nun die Bürger ebenfalls als Kunden gesehen werden, stellt sich die Frage, wie lange es dauert bis es A-, B- und C-Bürger innerhalb der Gesellschaft gibt. Die Kluft zwischen arm und reich ist zwar größer geworden, doch was passiert wenn wir zusätzlich zu dieser Kluft die Bürger nach ihrem Wertbeitrag beurteilen und kategorisieren? Sind wir dann noch eine Gesellschaft die an das Gemeinwohl aller denkt anstand immer nur an Profit und Effizienz?

Zum Abschluss lässt sich sagen, dass die Reformen zwar notwendig sind, doch das Konzept des NPM muss vorsichtig behandelt werden. Es ist ein zweischneidiges Schwert und muss sehr sensibel eingesetzt werden. Andernfalls höhlt sich der Staat aus und verliert immer mehr an Kontrolle, wobei der Kapitalismus immer größeren Raum einnimmt und schließlich die rechtsstaatlichen Strukturen verdrängt.

Autor: admin - Webseite



Gedanken zum New Public Management

Montag 24 Dezember 2007 @ 5:03 pm

Setzt man sich mit der Literatur des New Public Managements auseinander und richtet ein besonderes Augenmerk auf die Gründe der Notwendigkeit einer Verwaltungsreform, bekommt man den Eindruck als rührt die Finanzmisere des Staats aus einem kränkelnden Bürokratiemodell. Um den Problemen des Staats ein Ende zu setzen sollen radikale Reformen im Bereich der öffentlichen Dienste, insbesondere in den Verwaltungen, durchgesetzt werden, damit es überhaupt noch eine Rettung für den Staat gibt. Natürlich haben die Initiatoren des Reformprozesses für die Mängel in den öffentlichen Bereichen gleich ein Allheilmittel parat, damit die Rettung des Staates sofort in Angriff genommen werden kann.

Das Allheilmittel nennt sich ‘New Public Managements‘. Es scheint als ob alle Krankheiten des Staates mit dem Einsatz dieses Konzepts geheilt werden könnten. Doch es stellt sich die Frage ob es tatsächlich so ist, dass dieses Konzept jegliche Systemmängel beseitigt und uns gesellschaftlich in eine goldene Zukunft führt.

Als zur Zeit Webers das Bürokratiemodell eingeführt wurde, geschah es aus guten Gründen. Die staatliche Ordnung befand sich im Umbruch, die subjektive Willkür und patriarchalischen Herrschaftsstrukturen sollten aufgelöst werden. An deren Stelle sollten staatliche Strukturen treten, die eine legale Herrschaft unterstützen und gleichzeitig Gerechtigkeit und Gleichheit fördern, unabhängig vom Status der jeweiligen Person.

Gegenwärtig jedoch scheinen solche Strukturen wie das Bürokratiemodell nicht mehr zeitgemäß zu sein. Wir befinden uns in einer schnelllebigen Gesellschaft, die sehr komplex, unübersichtlich und vom Wertewandel geprägt ist. Dies äußert sich z. B. darin, das die Bürger nicht in eine Behörde gehen wollen, wo sie von einer Abteilung in die nächste geschickt werden, da die Komplexität von Zuständigkeiten selbst die Beamten überfordert. Ebenso wenig wollen sich die Bürger an Strukturen oder Vorgehensweisen halten, die wohlmöglich veraltet sind und nur aus Bequemlichkeit nicht geändert werden. Vielmehr ist der Bürger heutzutage viel selbstbewusster und ist sich darüber im Klaren, dass er das politisch-administrative System legitimiert. Genau aus diesem Grund erwartet er von den Angestellten des öffentlichen Sektors, dass man auf seine Belange und Wünsche eingeht.

Nicht nur die Bürger haben neue Anforderungen an den öffentlichen Sektor sondern ebenfalls der Staat. Die Ineffizienz, die starren Strukturen und Prozesse des administrativen Systems sorgen für Wettbewerbsnachteile des Staats im internationalen Vergleich. Die Globalisierung und der damit einhergehende Wettbewerbsdruck zwingen den Staat dazu seine Arbeit und seine Tätigkeiten zu überprüfen. Nur auf diesem Wege lassen sich neue und effizientere Wege des staatlichen Handelns generieren. Dazu jedoch muss der Staat in der Lage sein, seine Reformen in allen notwendigen Bereichen bzw. Ebenen durchzuführen.

Die rückläufige Wahlbeteiligung bei Bundestags- und Kommunalwahlen sind Signale des Volkes an die Politik. Die Bürger eines Staates drücken auf diese Art und Weise ihre Unzufriedenheit mit den politischen Maßnahmen aus. Bei den letzten Bundestagswahlen haben die Politiker es am deutlichsten zu spüren bekommen. Keine der beiden großen Parteien hat es geschafft eine Mehrheit im Bundestag für sich zu beanspruchen. Es liegt in den Händen der Politik ob sie etwas tut und was sie tut, den Rest entscheidet das Volk. Ob das Volk mit den Maßnahmen, die im Rahmen des NPM eingeleitet wurden, zufrieden ist wird sich noch zeigen.

Autor: braniac - Webseite



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